Wie man etwas über das Verstehen von Sprache lernt

Ich sitze am Computer und sehe Nachrichten aus Fukushima. Matilda krabbelt auf dem Teppich herum, sie versucht, in einen Pappkarton zu klettern.
Nachrichtensprecher: „Die Lage im havarierten Atomkraftwerk Fukushima ist weiterhin ernst.“
Matilda: „Esi echö daa.“
Nachrichtensprecher: „Möglicherweise ist in einem der Reaktoren eine teilweise Kernschmelze eingetreten.“
Matilda: „Roich ah.“
Nachrichtensprecher: „Die Betreiberfirma teilt mit, dass die Radioaktivität jedoch leicht zurückgegangen ist.“
Matilda: „Atate.“ Und noch mal mit Nachdruck: „Atate!“
Nachrichtensprecher: „Die am Atomkraftwerk verbliebenen Arbeiter kämpfen mit allen Mitteln um die Situation zu stabilisieren.“
Matilda: „Dei echi achai.“

Warum verstehe ich den Nachrichtensprecher nicht, obwohl ich jedes einzelne Wort, das er verwendet doch kenne? Was bedeutet das alles? Das ist ein Super-Gau. Dei echö atate!

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Wie man etwas über den Zusammenhang zwischen Knöpfen und Schweißausbrüchen lernt

Knöpfe sind eine geniale Erfindung. Als Schmuck sind sie seit der Antike bekannt. In der heute üblichen Form mit einem Knopfloch als Gegenstück um Kleidungsstücke zu schließen, stammen sie aus dem Hochmittelalter.
Schweißausbrüche sind ungwollte heftige Schweißabsonderungen, die während Stresssituationen auftreten können.
Die Verbindung zwischen beiden Phänomenen ist vielleicht nicht sofort ersichtlich.
Ganz entscheidend für das gute Funktionieren eines Knopfes ist das Verhältnis zwischen Knopfgröße und Knopflochgröße. Ist das Knopfloch zu groß, hält der Knopf nicht und der Verschluss öffnet sich wieder von selbst. Ist das Knopfloch zu klein, habe ich erhebliche Schwierigkeiten, den Knopf zu schließen oder zu öffnen. Und hier kommen die Schweißausbrüche ins Spiel. Matilda hat an ihren Sachen Knöpfe, viele Knöpfe. „Komm, Spätzchen, ich will dir mal die Jacke anziehen, wir müssen losgehen.“ Spätzchen lacht und krabbelt schnell in die andere Ecke des Zimmers. Wenn ich sie auf meinen Schoß setze und ihren Arm in den Ärmel stecke, weiß sie, dass sie jetzt nicht drumherum kommt. Aber sie wird es mir nicht leicht machen. Geübt durch das Anlegen von Windeln „am mobilen Objekt“, klappt das mit der Jacke trotzdem recht gut. Jetzt nur noch die Knöpfe. O.k. ich kann von den jungen chinesischen Frauen, die unsere Kleider für wenige Cent nähen, nicht erwarten, dass sie sich mit solchen Details aufhalten, aber dieses Knopfloch ist schon verdammt eng. Puh, geschafft. Es gilt die Faustregel: je näher der Knopf an Matildas Kopf oder Hals ist, desto heftiger ihr Widerstand und desto intensiver mein Schweißausbruch. Also dieser Knopf war der Schwierigste, die anderen gehen deutlich einfacher. Aber wieso ist hier am Ende noch ein Knopfloch übrig? Das kann nicht wahr sein, ich habe mich verknöpft. Ich wische mir den Schweiß von der Stirn. Also die Jacke ist zu und Matilda warm und wir lassen uns doch nicht schon mit einem Jahr von der Mode diktieren, wie eine Knopfleiste auszusehen hat! Stimmts, Matilda?

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Wie man lernt, das Faible der Frauen für Schuhe zu verstehen

Matilda liebt Schuhe. Aus ihrer Perspektive kann ich das gut verstehen. Schuhe tauchen besonders oft in ihrem Blickfeld auf, wenn sie auf dem Boden herumkrabbelt. Sie sind leicht zu erreichen, haben lange Bänder oder Klettverschlüsse, an denen man ziehen kann und riechen interessant. Oft versucht sie, einen Schuh, den sie erwischt hat, anzuziehen. Auf dem Boden kniend streckt sie ein Bein aus und versucht hineinzuschlüpfen. Wenn es ihr nicht gelingt, schimpft sie heftig.
Manchmal fehlt den anderen Kindern ein Schuh, wenn wir losgehen wollen. Dann beginnt die Suche und nicht selten werden wir auf dem Sofa fündig. Dorthin zieht sich Matilda gern zurück, wenn sie einen Schuh erwischt hat.
Matildas Begeisterung fürs Treppe steigen ist etwa ebenso groß wie ihre Begeisterung für Schuhe. Auf allen Vieren krabbelt sie nach oben Stufe für Stufe. Wir wohnen in der dritten Etage. Wenn ich zwei volle Einkauftüten in den Händen halte und dringend mal aufs Klo muss, kann der Weg in die dritte Etage endlos sein. Zum Albtraum wird das Ganze jedoch, wenn die Nachbarn in der zweiten Etage Schuhe vor der Tür stehen haben. Dann muss Matilda nämlich unbedingt einen Stopp einlegen um die Schuhe genau zu inspizieren.

Ich denke der Drang zum Schuh ist den Frauen angeboren und es ist nutzlos, sich dagegen zu wehren.

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Wie man mehr über Physik lernt

In ihrem Song „Fade away“ singen Chumbawamba: Wir glauben, dass wir die Macht in unseren Händen haben, weil wir die Fernbedienung halten (we think that the power is in our hands ‘cos we’re holding the remote control). Diesem Irrtum bleiben manche ihr Leben lang verhaftet. Dabei sind wir vielen Gesetzen der Physik gnadenloser unterworfen, als uns das vielleicht lieb ist. Diese Erfahrung hat auch Matilda gemacht. Sie liebt ihren Brio-Wagen, so etwas wie eine kleine, flache Holzkiste auf vier Plastikrädern mit einem Handgriff zum Schieben. Gern klettert sie dort hinein und wieder heraus und lässt sich von ihren Geschwistern herumschieben. Am Küchenschrank gibt es vier Schubfächer übereinander mit Metallstangen als Griffen, perfekt um sich daran festzuhalten und hochzuziehen. Matilda schiebt den Brio-Wagen an den Küchenschrank, klettert hinein und zieht sich am Schubladengriff hoch.
Hätte sie gewusst, dass der Rollwiderstand erheblich niedriger als der Widerstand bei der Gleit- bzw. Haftreibung, wäre ihr die folgende schmerzhafte Erfahrung vielleicht erspart geblieben. Gern wiegt sie sich hin und her, wenn sie Musik hört, oder einfach auch so. Auf dem Teppich, dem Fußboden, im Bett oder auf dem Sofa ist das kein Problem, auf einem Untersatz mit Rollen gilt jedoch die Rollreibung. Eine leichte Verlagerung des Körpergewichts zur Seite, der kleine Wagen setzt sich in Bewegung und Matilda landet schwungvoll auf dem Boden.
Ob solche Erfahrungen der Grund dafür sind, dass viele Menschen eine unüberwindliche Abneigung gegenüber der Physik haben?

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Wie man lernt, Saugkörper auch an mobilen Objekten körpernah einzusetzen

In Windel-Werbespots liegt das Baby zufrieden glucksend und friedlich auf dem Rücken und lässt sich die Windel mit wenigen Handgriffen anlegen. Das kommt auch bei Matilda schon mal vor, zum Beispiel wenn sie gerade ausgeschlafen hat und ihre Sinne noch leicht runtergedimmt sind. Dann lächelt sie freundlich, babelt ein bisschen und lässt sich, geduldig auf dem Rücken liegend, die Windel wechseln. Aber diese Momente sind selten.
Meistens hat sie den unbändigen Drang, sich zur Seite zu drehen, sich zu hinzuknien, aufzustehen, sich irgendwie zu bewegen. Wir haben am Wickeltisch eine Reeling angebaut, an der sie sich festhalten kann, so dass ich sie auch im Stehen wickeln kann.
Das Problem ist, Matilda liebt den Posititonswechsel, rauf, runter, dreimal im Kreis, Hauptsache in Bewegung. Die meisten Windeln haben ein farbig markiertes Feld auf der Vorderseite. Dort sollten die beiden Klebelaschen befestigt werden, was bei einem sich ständig bewegenden Kind eine ganz schöne Herausforderung ist.
Besonders schwierig ist das manchmal nach dem großen Geschäft, wenn die Kacke in der Windel bleiben und nicht auf dem ganzen Wickeltisch verteilt sein soll. In solchen Fällen hilft nur großes Kino, zum Beispiel in Gestalt der Geschwister, die mit irgendeinem interessanten Spielzeug oder anderem Gegegenstand in Matildas Blickfeld auftauchen und davon ablenken müssen, dass sie jetzt ja eigentlich lieber aufstehen wollte.
„Körpernah“ ist bei den Windeln also immer relativ, aber im Großen und Ganzen funktioniert es schon.

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Wie man lernt, Wegwerfwindeln zu schätzen

„Die Windel ist ein körpernah eingesetzter Saugkörper zur Aufnahme von Urin und Kot. Windeln gibt es in allen Größen vom Frühchen bis zum Erwachsenen und sie können daher von Menschen jedes Alters verwendet werden. Die häufigsten Anwender sind allerdings Säuglinge und Kleinkinder.“ (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Windel)
Matilda gehört zur Gruppe der häufigsten Anwender. Wir haben uns Gedanken gemacht, ob wir Baumwollwindeln zum Waschen oder Wegwerfwindeln verwenden sollen. In der Ökobilanz schneiden beide vergleichbar ab. Wenn ich beide Windeln nebeneinander lege und auf jeder einen halben Liter Wasser ausgieße, bemerke ich jedoch schnell einen unschlagbaren Vorteil der Wegwerfwindel. Während die Baumwollwindel triefend nass ist, bleibt das Wasser im Inneren der Wegwerfwindel. Verantwortlich dafür ist der Superabsorber, ein Kunststoffgranulat, das in der Lage ist, bis zum 1000-fachen seines Eigengewichts an Flüssigkeiten aufzusaugen.
Das erlaubt einen normalen Windelwechsel auch dann noch, wenn es mal länger gedauert hat. Und ich muss nicht auch sämtlichen Kleider wechseln, weil alles nass ist.
In den ersten Monaten haben wir oft gar keine Windeln verwendet. Als ich zum ersten Mal von windelfrei hörte, kam mir das ziemlich exotisch vor. In der Praxis hat es jedoch erstaunlich gut funktioniert. Voraussetzung ist ein sehr enger Kontakt, der aber gegeben ist, wenn man das Baby immer trägt. Matilda wurde jedesmal unruhig, wenn sie mal musste und nach kurzer Zeit haben wir die Signale verstanden und sie dann einfach abgehalten.
Jetzt, wo Matilda so mobil ist, ist das mit den Signalen schwieriger. Manchmal empfange ich noch welche. Wenn sie mit einem Blick, der ins Leere geht, angstrengt presst, dann weiß ich , dass der körpernahe Saugkörper gerade seinen Job macht.

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Wie man lernt, den Klodeckel immer zu schließen

Wenn ich länger nichts mehr höre, dann sollte ich nachschauen. Matilda ist gerade ein Jahr alt. Sie krabbelt schnell durch die ganze Wohnung und kommt überall hin, sofern die Türen offen sind. Meistens begleitet sie diese Erkundungstouren mit ihrem Gebrabbel, so dass ich wenigstens eine grobe Orientierung habe, wo sie sich gerade aufhält. Manchmal versiegt dieser Strom von Baby-Kauderwelsch aber, wenn sie etwas ganz Spannendes entdeckt, was ihre gesamte Aufmerksamkeit fesselt. Ich bemerke das nicht sofort, es ist etwa so wie wenn ich nach einer Weile registriere, dass die Straßenlaternen sich eingeschaltet haben, oder dass der Geschirrspüler nicht mehr rauscht, weil das Programm durchgelaufen ist.
Also, wo ist Matilda? Ich finde sie im Badezimmer. Sie steht am Klo und hält sich mit einer Hand am Rand fest. In der anderen Hand hat sie ihre Zahnbürste auf der sie herumkaut. Der Ärmel ihres Pullis ist verdächtig nass. Sie strahlt mich an. Matilda liebt ihre Zahnbürste und wie sie es bei uns gesehen hat, macht sie ihre Bürste nass, bevor sie die Zähne putzt. Den Wasserhahn erreicht sie jedoch noch nicht ohne Hilfe.
„Komm Spätzchen, wir spülen deine Zahnbürste mal aus.“ Spätzchen ist nicht begeistert, aber es ist o.k., weil sie ihre geliebte Bürste ja behalten und weiter darauf herumkauen kann. So, noch den Ärmel, so gut es geht, trocknen und beim nächsten Mal garantiert den Klodeckel runterklappen.

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